Der Bolus
In Baden-Württemberg ist die Verwendung eines Bolus zur Kennzeichnung von Ziegen seit August 2014 zugelassen. Seit Ende Dezember 2014 ist der Pansenbolus beim LKV in 2 Größen (20g und 52g) erhältlich (www.lkvbw.de).
In anderen Bundesländern ist der Bolus teilweise schon seit einigen Jahren zur Kennzeichnung einsetzbar. Zahlen zur Verwendungshäufigkeit sind nicht bekannt.

In Deutschland dürften die Erfahrungswerte mit dieser Kennzeichnungsmethode vergleichsweise gering sein. In Spanien sollen von 11 Mio Schafen bereits 7 Mio mit dem Bolus gekennzeichnet sein. Die Verwendung von Boli soll auch in den Ländern Bulgarien, Griechenland, Zypern, Italien und Portugal stärker verbreitet sein. Wohingehend, obwohl zugelassen, in Deutschland, Holland, Dänemark und Großbritannien die Anwendungshäufigkeit gering sein soll (Moxey, A., Walls, H., Report for ScotEID, 2012). In einigen EU-Mitgliedsländern ist der Bolus nicht zur Kennzeichnung zugelassen.

Wissenschaftliche Studien zur Verwendung des Bolus als Kennzeichnungsmittel werden schon seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Ländern durchgeführt.
Anfangs wurden zu schwere und zu große Boli (68g bis 75g) verwendet. Auch Mini-Boli mit weniger als 15g waren in der Erprobung, um Lämmer schon möglichst früh damit kennzeichnen zu können. Bei den Mini-Boli erwiesen sich die Beibehalte- und die Leserate als zu gering. Aus der wissenschaftlichen Literatur ist zu entnehmen, dass der Bolus mit 20g für Lämmer mit einem Alter von 180 Tagen und 16 bis 22 kg Lebendgewicht gut geeignet ist (Carné, S. et al., Long-term performances of visual and electronic identification devices in dairy goats, 2009). Dementsprechend sind die schwereren Boli für erwachsene Tiere um 40 kg Lebendgewicht geeignet.

Die Beibehalterate ist abhängig von Form, Gewicht und Dichte des Bolus. So wird ein MIndestgewicht von 20g und eine Dichte von mindestens 3 empfohlen. Raten von 100 Prozent werden jedoch nur mit einer Dichte von deutlich über 4 erreicht (Carné, S., Modeling the retention of rumen boluses for the electronic identification of goats, 2011). Festgestellt wurde, dass die Beibehalterate bei Ziegen schlechter ist, als bei Schafen und Rindern, bei jeweils gleichen Bolus-Maßen.
Außerdem gibt es Anzeichen, dass die Eingabe des Bolus direkt nach den Hauptfütterzeiten und bei Silage- und Rübenfütterung zu schlechteren Beibehalteraten führt.

Die Leserate scheint bei leichteren Boli etwas geringer zu sein, als bei schwereren.

Die Rate der schweren Komplikationen bei der Eingabe des Bolus wird mit 0,03 % angegeben.

In den verschiedenen Studien wurde keine messbare Beeinträchtigung des Wohlbefindens, der Entwicklung und der Futteraufnahme der Tiere festgestellt.

Fazit: Die Auswahl des Bolus muss sorgfältig überlegt und die Eingabe am Tier ohne Hektik und Stress durchgeführt werden. Die Anschaffungskosten der Eingabe- und Lesegeräte sind relativ hoch.

Bolus mit 52 g und Bolus mit 20 g. Zugelassen in Baden-Württemberg. Firma Datamars

 

Durchmesser der Boli. Links Bolus mit 52 g, rechts Bolus mit 20 g.

Bolus-Eingabegerät

Lesegerät

 

[Ziegenkäse] [Kontakt] [Ohrmarke]